Das Licht der Welt erblicken
Januar 7, 2008 von sandrabrunsch
Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, waren mit mir auch drei meiner Freundinnen aus der Grundschule schwanger. Wow, dachte ich, was für ein Zufall und hoffte, dass das nichts Unheilvolles bedeutet. Gar etwa dass eine meiner Schulkameradinnen ein krankes Kind bekommen würde. Tatsächlich ergaben sich bei einer der drei Freundinnen Komplikationen und ihre Schwangerschaft wurde zur Mutprobe oder eher Zerreißprobe. Alle bangten mit. Mein Entbindungstermin lag an erster Stelle. Drei Tage nach Termin gings ins Krankenhaus. Wie schmerzhaft eine Geburt sein kann, brauche ich anderen Müttern nicht zu erzählen und dem Rest erspare ich detaillierte Ausführungen. Kommen wir also gleich zu der Stelle, an der der Kopf heraustritt und sich nun eigentlich die ganze Welt freuen sollte. Statt dessen Getuschel. Der sieht aber komisch aus! Diesen Satz habe ich erst viel später nachklingen hören. Knabe Brunsch (so hieß unser Kind in den ersten drei Tagen) war 30 bis 45 Minuten ganz nah bei uns und wurde dann wie Schneewittchen im Glasdings davongeschoben. Seine großen schwarzen Augen schienen weit aufgerissen. War das eine Begegnung!
Mit einer Unterschrift konnte ich mich aus dem Krankenhaus retten und zu meinem zwei Stunden jungen Baby eilen auf die Säuglingsintensivstation eines anderen Klinikbetriebes. Erst am nächsten Tag nach den ersten Untersuchungen erfuhren wir mehr über den Zustand des Kindes. Es war vielleicht mehr als wir verkraften konnten. Gemeinschaftliches Heulen für über eine Woche folgte. Die Erschöpfung unterbrach den Tränenfluß und Ausbrüche kamen nur noch in Intervallen. Es war eigentlich Frühling und die Sonne schien. Ein Irrtum, eine Verwechslung, ein Traum? War ich wirklich gemeint? Ich erinnere mich, es war ein Monat voller Lähmungen. Aber was war das für ein Kind? Es war ein mehrfach schwerstbehinderter Junge.
Als ich während meiner Schwangerschaft fürchtete, eine meiner mit mir schwangeren Freundinnen könnte ein krankes Kind zur Welt bringen, habe ich mich nicht einbezogen in diese Betrachtungen. Ich habe mir keine Sorgen um mich selber gemacht. Hätte ich etwas geahnt, ich hätte mir vor Angst in die Hosen geschissen. Und dennoch, wenn es eine treffen sollte, konnte ich nur in Frage kommen, denn inzwischen bin ich davon überzeugt, dass ich von uns vier die Stärkste bin. Bei diesem Gedanken muß ich schmunzeln, denn er ist ganz neu. Meine Freundinnen haben gesunde Kinder bekommen.