April 14, 2008 von sandrabrunsch
“[...] So vergehen unsere Wochen und haben ihren Rhythmus. Ich erinnere mich an meine Zeit mit Wanja, in der mir jeder Tag gleich schien. Ich hatte kein Gefühl fürs Wochenende. Das hatte mich ziemlich müde gemacht. Ich vermisse ihn. Er wäre jetzt sieben Jahre. Das ist unvorstellbar. Selten träume ich von ihm - leider. Aber wenn, dann ist alles so real und genial zugleich. In meinen Träumen ist er gewachsen, hat auch schon Mama zu mir gesagt, hat laufen gelernt (auch wenn es bei ihm komisch aussieht) und ist insgesamt ein recht schlauer Bursche geworden. Jetzt paßt er wohl auf mich auf. [...]“
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Januar 23, 2008 von sandrabrunsch
So ziemlich genau vor einem Jahr bin ich durch Berlin gebummelt und habe am Hackeschen Markt in einer Galerie mich fangen nehmen lassen von herausragenden Fotografien namenhafter und noch unbekannter Künstler. Mit 11 Galerien (Stuttgart, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Hamburg, München, 2x Berlin, New York, Zürich und Paris) bietet LUMAS ein facettenreiches Programm mit Werken von rund 120 Fotokünstlern. Gefunden werden kann LUMAS auch im Internet. Dort kam ich noch mehr ins Staunen, als ich die Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskop entdeckte. Interessant ist auch die Aufbereitung der Fotografien allgemein. Sie werden wahlweise gerahmt oder kaschiert angeboten, wobei letztere Variante mir besonders gefällt. Eines der großformatigen Exemplare hätte ich auch gerne bei mir hängen! Ein kleines habe ich uns gesichert: “WHITE SANDS #3″ (50×60 cm) von Julia Christe .
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Januar 22, 2008 von sandrabrunsch
Eigentlich mag ich keine Persönlichkeitstests, aber diesen habe ich auch mitgemacht, dank Taubenhaucher. Mein ICH würde demnach nach Grapefruit schmecken - damit kann ich leben.
“Mm, Grapefruit! Sie sind etwas ganz besonderes, denn Sie sind gleichzeitig süß und sauer, strotzen vor sonnigem Gemüt und sind doch frech und erfrischend. Aber Vorsicht, denn Ihre guten Seiten halten Sie zuweilen versteckt! Gibt man Ihnen Zucker (oder auch Geschenke, Lob und kleine Aufmerksamkeiten), so zeigt sich Ihre natürliche Süße. Wenn es drauf ankommt, dann umgeben Sie sich mit Menschen, die Ihnen an Kraft und Unabhängigkeit ebenbürtig sind. Und diese Menschen zu finden, ist für Sie kein Problem, denn solche Personen fühlen sich zu Ihnen hingezogen. Sie sind angenehm sauer und ein wenig exotisch – ein wahrer Leckerbissen!”(Zitat, de.tickle.com)
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Januar 14, 2008 von sandrabrunsch
Heute möchte ich ein Buch vorstellen. Dazu muß ich gleich erwähnen, dass ich ein Lese-Muffel bin. Das glaube ich zumindest, denn ich schaffe es nicht, viele Bücher zu lesen. All zu oft verschrecken mich sogar Leseversuche. Dann langweilen mich die ersten 50-100 Seiten so sehr, daß ich die folgenden verweigere. Und wie nach einer unerwiderten Liebe schütze ich mich vor der nächsten Enttäuschung, indem ich nicht ans Lesen denke. Es ist ja auch nicht so, dass man als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft am Lesen gänzlich vorbeikommen würde. Im Gegenteil eine ganze Menge Text ist zu bewältigen, um stets am Ball zu bleiben. Wenn ich da nur ans Internet denke - all die verlockenden Informationen und zu wenig Zeit um alles zu lesen.
Nun aber zurück zu meiner Buchvorstellung. Im Herbst zu meinem Geburtstag rief ich die Familienmitglieder aus meinem nahen Umfeld zusammen, um mit mir das Leben zu feiern. Besonders habe ich mich über den Besuch meines Onkels gefreut. Der Zufall hat es möglich gemacht, dass er zu meinem Geburtstag im Land war. Er hat mir ein Buchgeschenk mitgebracht – „Der Jakubijan-Bau“ von Alaa Al Aswani. Ein Roman quer durch die ägyptische Gesellschaft oder zumindest durch einen Teil dieser, wie sie sich darstellt im Großstadt-Koloß Kairo der späten 90ziger Jahre des 20sten Jahrhunderts. Jene Jahre in denen ich diese besondere Stadt auf meine Art kennen und auf eine Art auch lieben lernte. Aus diesem Grund war es für mich um so spannender in diese Welt wieder einzutauchen und meine Erinnerungen lebendig werden zu lassen. Wie habe ich das Buch genossen! Aber auch ohne jede Bindung zur Stadt verschafft es großen Lesespaß. Die Charaktere sind einfühlsam beschrieben. Das macht sie interessant und bald ist es nicht egal, wie das Buch endet, man brennt darauf alles zu erfahren und will nichts verpassen. Einmal lesen reichte mir nicht und zweimal kurz hintereinander war mir zu naheliegend im doppelten Sinne. Da habe ich mir vor lauter Begeisterung auch die englische Fassung “The Yacoubian Building” gekauft und danach das arabische Original „Imarat Yaqubian“ . Und das obwohl mein Arabisch grottenschlecht ist und ich Monate mit Buch und Nachschlagewerk verbringen müßte, um es zu knacken. Lieblingspassagen im Original nachzulesen reicht ja auch – mir jedenfalls. Und weil das Buch mit viel Mut Dinge beschreibt, die sonst im Land nur getuschelt werden (ein Wunder, dass es ohne viel Lärm zum Druck kam) und großen Anklang bei der Leserschaft fand, wurde es zu einer Filmvorlage, Alhamdu lillah! – Gott sei Dank!
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Januar 9, 2008 von sandrabrunsch
Immer wieder höre ich Musik, von der ich gerne anderen erzählen möchte, um die Freude und den Genuß zu teilen. Meinen Anfang möchte ich mit Cyril Morin machen. Er ist ein französischer Komponist, Jahrgang 1962 und mir durch seine Filmmusiken aufgefallen, zunächst im Film „Zaina – Königin der Pferde“. Ein atemberaubender Film für alle Orient- und Pferdefreunde nicht zuletzt auch durch die Musik. Seine Werke ergänzen und vollenden einige herausragende und besondere Filme. Die Zusammenarbeit mit Filmemachern wie Eran Riklis, Bourlem Guerdjou, Pan Nalin und anderen hebt ihn zu einem Meister der orientalischen und fernöstlichen Klänge der Filmmusik hervor.
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Januar 7, 2008 von sandrabrunsch
Am dritten Tag im Krankenhaus nach der Geburt unseres Kindes fanden wir, dass nun endlich ein Name her mußte. Es erschien uns so ungeheuer wichtig, genau den richtigen Namen zu treffen, denn Nomen ist Omen. Auf dem Überwachungsmonitor der Intensivstation mit seinen schrillen Alarmsignalen hieß unser Kind “Knabe Brunsch”. Wir konnten unserem behinderten Sohn wenigstens den Makel des namenlosen Kindes nehmen. Mit einem Namen dachte ich, es den Kinderkrankenschwestern zu erleichtern, mein Kind zu mögen – etwas wenigsten. Ich wollte wie jede Mutter, dass mein Baby für süß befunden wird. Der Name sollte eine Art Brücke darstellen, von seiner mitleiderregenden Erscheinung ablenken und die Distanz zu ihm brechen. Und es sollte ein Name sein, der mir auch nach dem tausendsten Mal ausrufen nicht aus den Ohren kommt. Ein ziemlich hoher Anspruch an einen Namen! Natürlich lief schon während der Schwangerschaft die Namensfindung auf Hochtouren und wir haben uns auf glaube ich drei Lösungen einigen können. Wir wußten jedoch vor der Geburt noch nicht, dass unser Kind behindert sein würde. Wir wollten, nach dem in Augenschein nehmen, dann den geeignetsten, sozusagen zum Gesicht passenden, Namen wählen. Drei sollten uns genügen. Das taten sie jedoch nicht. Keiner von den Namen beschrieb unser Kind und deshalb blieb es drei Tage namenlos. Meinem Mann fiel er dann ein. Und als guter Geschichtenerzähler erklärte er mir, warum unser Sohn Wanja heißen sollte.
Unser Wanja zeigte nämlich Parallelen zu seinem Namensvetter dem starken Wanja aus „Die Abenteuer des starken Wanja“ von Otfried Preußler. Jener Wanja war ein fauler Bursche. Diesen Anschein erweckte unser Kind auch. Seine Muskeln ganz schlapp hingen Arme und Beine schlaff von ihm. Die Ärzte nannten das Muskelhypotonie. Der faule Wanja aus dem Märchen schlief sieben Jahre auf einem Ofen, rührte sich nicht, aß nur Sonnenblumenkerne und sprach kein Wort. Niemand wußte, dass das die Bedingungen eines alten Zaubermännchens waren, der dem Wanja versprach, wenn er seinen Anweisungen folgte, würde er einst ein Zar werden. Unser Wanja schlief auch viel – ach was, er schlief nur und warm hatte er es auch gern in seinem Wärmebettchen der Intensivstation. Essen wollte er nicht und kein Wort kam je über seine Lippen. Der Wanja von Otfried Preußler konnte nach sieben Jahre Ruhe und Kräfte sammeln das Dach des Hauses anheben. Er wurde bärenstark. Mit dieser Hoffnung erhielt unser Kind seinen Namen.
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Januar 7, 2008 von sandrabrunsch
Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, waren mit mir auch drei meiner Freundinnen aus der Grundschule schwanger. Wow, dachte ich, was für ein Zufall und hoffte, dass das nichts Unheilvolles bedeutet. Gar etwa dass eine meiner Schulkameradinnen ein krankes Kind bekommen würde. Tatsächlich ergaben sich bei einer der drei Freundinnen Komplikationen und ihre Schwangerschaft wurde zur Mutprobe oder eher Zerreißprobe. Alle bangten mit. Mein Entbindungstermin lag an erster Stelle. Drei Tage nach Termin gings ins Krankenhaus. Wie schmerzhaft eine Geburt sein kann, brauche ich anderen Müttern nicht zu erzählen und dem Rest erspare ich detaillierte Ausführungen. Kommen wir also gleich zu der Stelle, an der der Kopf heraustritt und sich nun eigentlich die ganze Welt freuen sollte. Statt dessen Getuschel. Der sieht aber komisch aus! Diesen Satz habe ich erst viel später nachklingen hören. Knabe Brunsch (so hieß unser Kind in den ersten drei Tagen) war 30 bis 45 Minuten ganz nah bei uns und wurde dann wie Schneewittchen im Glasdings davongeschoben. Seine großen schwarzen Augen schienen weit aufgerissen. War das eine Begegnung!
Mit einer Unterschrift konnte ich mich aus dem Krankenhaus retten und zu meinem zwei Stunden jungen Baby eilen auf die Säuglingsintensivstation eines anderen Klinikbetriebes. Erst am nächsten Tag nach den ersten Untersuchungen erfuhren wir mehr über den Zustand des Kindes. Es war vielleicht mehr als wir verkraften konnten. Gemeinschaftliches Heulen für über eine Woche folgte. Die Erschöpfung unterbrach den Tränenfluß und Ausbrüche kamen nur noch in Intervallen. Es war eigentlich Frühling und die Sonne schien. Ein Irrtum, eine Verwechslung, ein Traum? War ich wirklich gemeint? Ich erinnere mich, es war ein Monat voller Lähmungen. Aber was war das für ein Kind? Es war ein mehrfach schwerstbehinderter Junge.
Als ich während meiner Schwangerschaft fürchtete, eine meiner mit mir schwangeren Freundinnen könnte ein krankes Kind zur Welt bringen, habe ich mich nicht einbezogen in diese Betrachtungen. Ich habe mir keine Sorgen um mich selber gemacht. Hätte ich etwas geahnt, ich hätte mir vor Angst in die Hosen geschissen. Und dennoch, wenn es eine treffen sollte, konnte ich nur in Frage kommen, denn inzwischen bin ich davon überzeugt, dass ich von uns vier die Stärkste bin. Bei diesem Gedanken muß ich schmunzeln, denn er ist ganz neu. Meine Freundinnen haben gesunde Kinder bekommen.
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Dezember 21, 2007 von sandrabrunsch
Der Begriff Familie hat sich heute für mich wundersam gedehnt. Ich saß gemeinsam mit meinem Kater Rosi in der Notaufnahme der Tierklinik(endlos lange 150 Minuten und mehr) und die Aufnahmeschwester, nach uns Ausschau haltend, rief in den Warteraum: „ Familie Brunsch?!“
Der Begriff Familie wird bei Wikipedia als Lebensgemeinschaft erklärt: „…Die Familie ist demnach eine engere Verwandtschaftsgruppe…“! Oje…ob das auch die Aufnahmeschwester weiß?
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